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Aus
der Reihe «Grenzen-los»
Fr,
23. Februar 2007, 20 Uhr
Stephan Enser, Soziologe,
Würzburg
Vortrag "Extreme in der Postmoderne"
Moderation: Sylvia Rüttimann
Extreme werden in der Postmoderne von der Freizeitindustrie
arrangiert. Diese bietet "Erlebnisse" an, die
auf dem Erlebnismarkt nachgefragt werden. Sie
setzt "Risiken" in Szene, von denen "Risikosucher"
aus der breiten Palette der Risikosportarten die
gewünschte Tätigkeit auswählen können. Schließlich
organisiert sie zeitlich beschränkte "Abenteuer"
und spricht damit die von Georg Simmel ausgemachte
"romantische Gesinnung" der Jugend an. Die postmoderne
Gesellschaft akzentuiert Ausprägungen des Extremen,
die sie nicht in ihrer ursprünglichen Form belässt,
sondern prozessual aufgreift und in Vorgängen
der Organisierung, Inszenierung, Arrangierung
- mit einem Wort -, der Eventisierung, extremisiert.
Vielen dienen die postmodernen höchst individuellen
Extremformen zur Ausgestaltung des persönlichen
Lebensstils, zum Erwerb von Prestige und zum Gewinn
von Distinktion. In einer Gesellschaft, die sich
nicht mehr zuerst durch die Kategorien Beruf und
Einkommen differenziert, spielen die unterschiedlichen
Freizeitformen und -stile eine immer größere Rolle.
Der individuelle Lebensstil konstituiert sich
daher in hohem Maße durch die Aktivitäten in der
Freizeit. Je erlebnisreicher, riskanter und abenteuerlicher
die Freizeitbeschäftigungen anmuten, desto mehr
heben sich ihre Akteure vom gesellschaftlichen
Durchschnitt ab und desto mehr gewinnen sie in
ihren Aktionen an Individualität.
Extreme ereignen sich in der Postmoderne nicht
zufällig; sie werden "aufgeführt", "inszeniert",
"gestylt", "veranstaltet", "auf die Bühne gehoben",
wo Dramaturgen sie raffiniert zu steigern verstehen.
Extreme erreichen somit immer häufiger die Qualität
eines "Events".
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Enser
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