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Aus der Reihe «Grenzen-los»

Fr, 19. Januar 2007, 20 Uhr
Marie Theres Stauffer, Kunsthistorikerin/Architektin, Zürich
Vortrag "Entgrenzung: Verspiegelte Räume"

Moderation: Daniel Walser


Eine spezifische Relation von Oberfläche und Architektur manifestiert sich in Spiegelkabinetten, -salons und -galerien des 17. und 18. Jahrhunderts. Damit sind Räume gemeint, deren definierende Elemente meist Wände und zuweilen auch Decken in einem hohen Masse dauerhaft mit Spiegeln besetzt sind. Frühe verspiegelte Räume entstanden ab den 1650er Jahren zunächst in Frankreich; in ihrer künstlerisch hochwertigen Form fanden sie bis in die 1760er Jahre in ganz Europa Verbreitung.

Grundsätzlich sind für die Diskussion von reflektierenden Glasoberflächen in der Architektur zwei Momente signifikant: Zum einen die beträchtliche Beständigkeit ihrer materiellen Eigenschaften, zum andern die hohe Unbeständigkeit ihrer optischen Effekte. Im Rahmen dieses Beitrags liegt der Interessefokus bei den optischen Effekten: Aus der Verspiegelung von Oberflächen resultiert für den Betrachter ein Oszillieren auf der Ebene des Bildlichen, des Medialen und des Intermedialen. Auf der bildlichen Ebene stellt sich das Oszillieren durch die Dynamik der Relation zwischen Abbild und Urbild ein. Auf einer medialen Ebene entsteht ein kontinuierliches Schillern durch die Veränderbarkeit des Aspektes, unter dem der visuelle Effekt im Spiegel betrachtet werden kann: So zeigt die Reflektionsfläche einerseits Bilder, anderseits Räume. Auf der Ebene des Intermedialen besteht das oszillierende Moment im Verhältnis von Oberflächen und dadurch bestimmten Raum: Durch die Reflexion wird der materiell definierte und limitierte Raum in eine unendlich komplexe Folge von virtuellen Raumsystemen erweitert.

Verspiegelten Oberflächen eignet die Disposition, ihre Betrachter fortwährend und vielfach zu verweisen. In Abwandlung von Umberto Ecos Begriff des "offenen Kunstwerks" könnte man von offenen Oberflächen sprechen. "what you see is what you see".

>Infos zu Marie Theres Stauffer

 




Rastatt. Residenz "La Favorite". Spiegelkabinett. Details. Anfang 18. Jh. Aus: Serge Roche/Germain Courage/Pierre Devinoy: Spiegel. Spiegelgalerien, Spiegelkabinette, Hand- und Wandspiegel. Tübingen: Ernst Wasmuth, 1985.



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