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Aus der Reihe «Grenzen-los»

Fr, 30. März 2007, 20 Uhr
Elke Kania, Kunstwissenschaftlerin, Köln
Vortrag
"Walk the line. Grenzen als Verführung"

Moderation: Peter Stohler, Anja Reincke


Der Philosoph, Schriftsteller, Nietzsche-Übersetzer und bildende Künstler Pierre Klossowski (1905-2001) ist ein Grenzgänger und eine Ausnahmeerscheinung par excellence. Er selbst hat sich einmal als "reinen und simplen Besessenen" bezeichnet, doch greift sein Werk weit über etwas hinaus, was schlicht als private Obsession abgetan werden könnte. Eine besonders grosse Nähe verband Klossowski mit Georges Bataille, beide entwickelten zunächst in ihrer Literatur grundlegende Betrachtungen des Erotischen und Obszönen. Klossowskis Darstellung des delikaten Balanceaktes zwischen Unterwerfung und Widerstand verwebt in einem vielschichtigen, disziplinäre Grenzen überschreitenden Gefüge Ansätze der Theologie, Philosophie, Pornographie und Mythologie miteinander. Diese Themen durchziehen seine Zeichnungen und Texte, die Intellektuelle wie Jacques Derrida oder Gilles Deleuze beeinflussten. Als Zeichner schuf Klossowski ab den 1950er Jahren ein unzeitgemässes, enigmatisch-reizvolles Œuvre. Dabei scheint sich die naive , wie verwaschen wirkende Lineatur seiner lebensgrossen Farbstiftzeichnungen den komplexen erotischen Ränken zwischen Begehren, Ekstase und Gewalt regelrecht entziehen zu wollen. Immer wieder gibt es gerade in den mythologisch inspirierten Szenen Andeutungen sexueller Überwältigung, in der die Frau ihre selbstbestimmte Handlungsmacht gegenüber dem männlichen Prinzip jedoch stets durch das subtile Spiel der Gesten und Blicke manifestiert.

Klossowski zu betrachten bedeutet, den eigenen Moral- und Kunstvorstellungen zu begegnen, Grenzen zu erkunden innerhalb der theoretischen wie privaten (Rollen-)Vorstellungen von Sexualität. Diese Komplexität zu untersuchen, jenen bleistiftschmalen Grat zwischen Provokation und Innovation auszuloten widmet sich der bildgestützte Vortrag.

>Infos zu Elke Kania

 




Pierre Klossowski, "Gulliver marchandant Robert" (Gulliver verschachert Robert), 1988 Farbstifte auf Papier, 124 x 164 cm Sammlung Nathalie Rheims und Leo Scheer, Paris



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