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Aus der Reihe «Ästhetisierung des Alltags»

Fr, 27. Januar 2006, 20 Uhr
Daniel A. Walser (Dozent für Architekturgeschichte, Architekturkritiker, Zürich/Chur) spricht über «Urbane Szenografien: Architektur auf den Spuren des Paradieses»

Moderation: Anja Reincke/ Barbetrieb


Urbane Szenografien
Junge Schweizer Architekten auf den Spuren des Paradieses


These: Die jungen, zeitgenössischen Schweizer Architekten unterscheiden sich in ihrer Haltung von ihrer Vätergeneration. Architekten wie EM2N, Pool Architekten, mlzd, Christ & Gantenbein, Christian Waldvogel und andere verstehen Arbeiten weniger als soziales Engagement oder als eine spezifische ästhetische Haltung, sondern sie suchen nach dem richtigen Lösungsansatz für ein spezifisches Problem an einem bestimmten Ort. Hierdurch entstehen formal unterschiedliche Bauten, die je nach Bauort und Bauaufgabe andere konzeptionelle Ansätze besitzen. Die neuartigen Bauten sind zwar formal experimentell, in ihrer funktionalen und sozialen Anlage aber eher wertkonservativ. Die Entwürfe der Architekten bilden vielfach einen inszenierten Hintergrund für die Tätigkeiten der Menschen. Hierdurch treffen sie den Geschmack einer urbanen, lifestyleorientierten Schweizer Mittelklasse, die sich ihr Umfeld von den Architekten entsprechend ihren ästhetischen Bedürfnissen gestalten lässt.

Die jungen Architekten suchen dem zunehmenden Verlust an Relevanz des derzeitigen Bauens entgegenzuwirken. Sie wollen weder zu "manierierten Kunsthandwerkern" werden, noch in rationalisierten Grossbüros Standartlösungen erarbeiten. Sie suchen eine eigenständige architektonische Position zu erarbeiten. Viele der Architekten reagieren auf diese Situation, indem sie sich entweder zusammenschliessen und hierdurch die verschiedensten Einzelkompetenzen in einem gemeinsamen Büro zu bündeln verstehen (Pool Architekten), oder sie arbeiten bereits in einer frühen Entwurfsphase interdisziplinär mit Spezialisten und Fachplanern wie Statiker, Landschaftsarchitekt, Kostenplaner, Bauphysiker, Künstler zusammen (EM2N). Die Beiträge der Fachplaner betrachten EM2N gar als integrale Bestandteile ihrer architektonischen Konzeption.

Den jungen Architekten geht es um mehr als die reine architektonische Intervention. Architektur dient ihnen als "Wahrnehmungsinstrument", mit welchem sie "die Welt untersuchen". Sie sind an einem Bauen, welches direkt in Verbindung mit Lifestyle, Ökologie und Ökonomie steht interessiert. Durch diesen direkten Kontakt mit den Erfordernissen des heutigen Architekturmarktes, sind ihre Bauten tendenziell auch eher unpolitisch und undogmatisch.

>Infos zu Daniel Walser

 




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